Trauerbegleitung: Zurück ins Licht des Lebens

Trauerbegleitung auf dem Weg durch die Dunkelheit

Wenn da einer vorausgeht auf die andere Seite des Weges – wo immer das sein mag – so ist das ein Abschied, ein Verlust und auch ein Schmerz, denn es bedarf der Mühe und Anstrengung zu akzeptieren, dass sich da etwas verwandelt hat, dass etwas abgerissen ist aus meinem Leben, etwas, das ich wiederfinden und einordnen muss in meine eigene Lebensgeschichte, dem ich einen Platz zuweisen und es verankern muss in meiner Erinnerung. Ich suche all die Stationen noch einmal auf, die ich gemeinsam mit dem oder der Verstorbenen gegangen bin, suche die Begegnungen und gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen in der Erinnerung und im eigenen Herzen: die Höhen und Tiefen, die wir miteinander durchlebt haben, die Freude und das Leid, das wir geteilt haben, das Verbindende und auch das Trennende. Diesen Prozess nennen die Menschen Trauern.   
In den Zeiten der Trauer sind Menschen häufig Zweifelnde und Verzweifelnde, Verlorene und Suchende, Verlassene und Einsame. Trauer ist wichtig, notwendig und wertvoll – und sehr, sehr schwer! Und sie braucht Zeit. Der Weg durch die Trauer ist manchmal auch einsam.  Man muss ihn gehen! 
Die Erinnerung findet das Verlorene und fügt die Fäden wieder aneinander, die abgerissen waren.
Man muss das Land der Vergangenheit erwandern,hin und her, bis der Gang über die Brücke auf einen neuen Weg führt.“ (Jörg Zink)
Dazu ist sie da, die Trauer, in der viele Tränen geweint und ein ganzer Pool von widersprüchlichsten Gefühlen durchlebt werden will. 
Alle Gefühle haben ihre Berechtigung, wollen gefühlt und willkommen sein – die dunkleren brauchen einen besonders großen Resonanzkasten – wenn sie verdrängt und verleugnet werden, so bereiten sie Kopfschmerzen oder Magengeschwüre  oder Rückenbeschwerden.

Es ist ein Wagnis, den Weg durch die Trauer bis zur notwendenden Akzeptanz zu finden. Da ist die Sorge, man könne sich noch weiter entfernen vom geliebten Menschen, wenn man weitergeht! Aber Stehenbleiben lähmt mich und lässt mich erstarren. Das Weitergehen lohnt sich! Akzeptanz des Unabänderlichen ist meines Erachtens ein wesentlicher Aspekt, ein Vermögen, eine Fähigkeit der Liebe: Es ist, wie es ist!
Das menschliche Leben mit seinem Werden und seinem Vergehen, das Dasein und das Tot-sein, das Woher, das Wohin und das „Was dann“ sind Wunder und Rätsel, die wir nicht zu lösen vermögen. Auch die Naturwissenschaften geben keine endgültige Antwort.
So ist häufig die letzte Hoffnung der Menschen angesichts des Todes die Hoffnung nach Vereinigung und neuer Gemeinschaft mit den Verstorbenen, die wie auch immer geartet sein mag. Wir wissen es nicht.
In einer Dichtung von Henrik Ibsen heißt es: 
„Ich will deiner harren bis du mir nah! Und harrest du im Himmel, so treffen wir uns da – so treffen wir uns da!“ (Übersetzung von Christian Morgenstern; Originaltext: Henrik Ibsen, 1828-1906; Musik: Edvard Grieg, 1843-1907; Pergynt: Solveigs Lied)
Ja, so wird es sein. Die Erfüllung dieses Satzes setzt Abschied vom Bisherigen, Umkehr und Wandlung voraus. Kümmern wir uns darum, streben wir danach – es ist sehr schwer! Täuschen wir uns nicht: es ist auch ein dunkler Weg durch die Trauer. Die Trauer verwandelt den Menschen. Wenn sie gelingt, so bringt sie größere Freiheit, Erkenntnis über das Leben und den Tod, über den anderen und über sich selbst. In der Trauer und durch die Trauer findet neue Begegnung statt – „…siehe, es ist alles neu geworden!“(2.Korinther 5:17) Das ist sicher nicht nur eine christliche Verheißung, sondern nach meiner Überzeugung eine Konsequenz, ein Ergebnis, eine Wirkung der Liebe, so, wie ich sie verstehe. Darüber möchte ich gern diskutieren!
Ist der Himmel so weit da oben? Ist er wirklich nur jenseits des Horizontes? Ist er nicht überall da, wo Liebe ist? Draußen in der Welt: Überall dort, wo Frieden ist, wo die Menschen sich mit Achtung und Respekt begegnen, wo Leiden gelindert wird? Und ebenso drinnen im eigenen Herzen, wenn es den Mut findet, sich selbst und andere und die Dinge zuzulassen mit allem, was dazugehört, auch mit dem Schmerz und dem Abschied, wenn man durch all das Dunkle der Trauer hindurchgegangen ist und man auf dem Weg durch die Trauer den anderen und sich selbst – vielleicht auch Gott – wiedergefunden hat und dann frei wird für das eigene Leben und sich wieder der Welt und ihren Geschöpfen zuwendet, ist das nicht auch der Himmel? 
Wo immer das sein mag – im Hier und Jetzt, diesseits und jenseits des Horizontes und über das Hier und Jetzt hinaus! 
Wie auch immer. Im Hier und Jetzt, weil wir die, die voraus gegangen sind, weiter in unserem Herzen tragen, weil alles, was sie ausmachte, unwiderruflich gewesen ist, nicht rückgängig gemacht werden kann, weil sie die ihren zutiefst geprägt und berührt und bewegt haben und weiter durch sie wirken werden, hier in dieser Welt und über das Hier und Jetzt hinaus, weil Ewigkeit nicht ewig ist, wenn sie nicht immer schon gewesen ist und Unendlichkeit nicht unendlich, wenn sie nicht bereits jetzt gilt. Und weil der Himmel nicht so weit da oben ist, sondern gegenwärtig und existent auf Erden, immer da, wo die Menschen willkommen geheißen sind, geliebt werden, Akzeptanz, Anerkennung und Geborgenheit finden. Der Himmel (heaven, not „sky“) ist in der Welt, in der ihre Geschöpfe positive Wertschätzung für ihr Kreatursein ansich erhalten und nicht für ihre Leistung, für ihr Geld, für ihre Staats- oder Religionszugehörigkeit oder gar ihre Verwendungsmöglichkeit. Der Himmel ist da, wo Frieden gestiftet wird, Tränen getrocknet werden, Wunden geheilt, Schmerzen gelindert – diesseits und jenseits des Horizontes.
In der aufmerksamen Wahrnehmung des Menschen neben mir und des Menschseins in mir erfahre ich den Himmel, hier in meinem Leben. Solche Erfahrungen wünsche ich Ihnen allen von ganzem Herzen! 

 


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